Der Bus & die Topologie
KNX-Geräte teilen sich ein einziges Kommunikationsmedium, den Bus genannt. Den Bus und seinen Aufbau (die Topologie) zu verstehen, ist die Grundlage für alles Weitere — Gruppenadressen, ETS und die Projektstruktur, die KNX Clarity Ihnen zeigt, setzen alle darauf auf.
Der Bus
In der häufigsten Form, KNX TP (Twisted Pair), ist der Bus ein einzelnes grünes zweiadriges Kabel, das von Gerät zu Gerät durchgeschleift wird. Dieses eine Kabel überträgt sowohl Strom als auch Daten:
- Geräte beziehen ihre Betriebsspannung aus dem Bus (eine eigene Bus-Spannungsversorgung, typischerweise 30 V DC, speist jede Linie).
- Die Daten werden auf dasselbe Adernpaar aufmoduliert.
Deshalb wirkt ein KNX-Verdrahtungsplan im Vergleich zur konventionellen Elektroinstallation so spärlich: ein einziges Buskabel besucht jeden Taster, jeden Sensor und jeden Aktor.
Es existieren weitere Medien, die auf demselben logischen Bus zusammenarbeiten:
| Medium | Was es ist |
|---|---|
| KNX TP | Twisted Pair — das dominierende kabelgebundene Medium. |
| KNX IP | KNX über Ethernet/IP (KNXnet/IP). |
| KNX RF | Drahtloses KNX (Funkfrequenz). |
| KNX PL | Powerline — Daten über das Stromnetz (heute selten). |
Dezentrale Intelligenz
Es gibt keine zentrale Steuerung. Jedes KNX-Gerät enthält seinen eigenen Mikroprozessor und den Teil der Logik, den es benötigt. Ein Taster weiß, dass er einen „Ein"-Befehl senden soll; ein Aktor weiß, dass er sein Relais schalten soll, wenn er einen solchen empfängt.
Die praktischen Konsequenzen:
- Robustheit. Ein ausgefallenes Gerät legt nicht das Gebäude lahm.
- Kein „Gehirn", das verloren gehen kann. Es gibt keine SPS, deren Ausfall oder Veralten die Installation verwaisen lässt.
- Die Konfiguration ist das System. Da das Verhalten über die
Parameter und Verknüpfungen jedes Geräts verteilt ist, sind die
Projektierungsdaten (die
.knxproj) die einzige vollständige Beschreibung dessen, wie sich das Gebäude verhält. Sie zu verlieren bedeutet, die Logik des Gebäudes zu verlieren — der Grund, warum KNX Clarity jeden ETS-Upload versioniert.
Topologie: Bereiche, Linien, Geräte
Ein KNX-Netzwerk ist als strenge Hierarchie organisiert, sodass es von einer einzelnen Wohnung bis zu einem Campus skaliert, ohne dass der Bus unter dem Verkehr zusammenbricht.
- Eine Linie ist ein Bussegment mit eigener Spannungsversorgung. Sie kann bis zu ca. 64 Geräte aufnehmen (mehr mit Linienverstärkern).
- Ein Bereich fasst bis zu 15 Linien zusammen, die über Linienkoppler mit einer Bereichslinie verbunden sind.
- Der Backbone verbindet bis zu 15 Bereiche über Bereichskoppler.
Koppler sind die Türsteher zwischen den Segmenten. Sie filtern den Verkehr, sodass ein Telegramm nur dann in eine andere Linie übertritt, wenn ein Gerät dort es tatsächlich benötigt. Diese Filterung ist es, die ein großes Gebäude reaktionsfähig hält — und sie wird in ETS konfiguriert, nicht am Gerät.
Die individuelle Adresse
Jedes Gerät hat genau eine individuelle Adresse (auch physikalische Adresse genannt) in der Form:
Bereich . Linie . Gerät z. B. 1.2.14
1.2.14 = Bereich 1, Linie 2, Gerät 14. Diese Adresse ist pro
Installation eindeutig und wird für Projektierung und Diagnose
verwendet — nicht für den Normalbetrieb. Die alltägliche
Kommunikation nutzt stattdessen
Gruppenadressen.
KNX Clarity zeigt Ihnen Bereiche und Linien nicht als Verdrahtungsbaum — es zeigt die Gebäude-Sicht (Etagen → Räume → Geräte, siehe Räume & Geräte), weil Eigentümer und Servicepersonal in dieser Logik denken. Die Topologie und die individuellen Adressen leben weiterhin in den geparsten ETS-Daten; die Gebäudesicht ist eine freundlichere Projektion derselben Geräte.